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Freitag, 3. Februar 2017, 18.00 und 20.15 Uhr
Clint-Eastwood-Filme (42)
SULLY
Deutscher Titel: Sully

Dokudrama mit Tom Hanks, Aaron Eckhart, Laura Linney
Musik: Christian Jacob und The Tierney Sutton Band
Chefkameramann: Tom Stern
Producer: Frank Marshall, Allyn Stewart, Tim Moore
Drehbuch: Todd Komarnicki
Regie, Producer: Clint Eastwood
USA 2015, 96 Min.
Originalversion mit Untertiteln

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Triebwerksausfall über New York. 155 Menschen an Bord. Pilot Chesley ”Sully” Sullenberger ahnt: Er wird keinen Flughafen mehr erreichen. Dann schreibt er Luftfahrtgeschichte: Er entschließt sich zur Notwasserung auf dem januarkalten Hudson River - mitten in New York. Nicht länger als 208 Sekunden dauerte die Landung. Alle Insassen überlebten. ”Für mich kam der eigentliche Konflikt später”, sagte Clint Eastwood, ”mit den langen, nervtötenden Anhörungen durch das Untersuchungsgremium, das seine Entscheidungen in Frage stellte, obwohl er so viele Menschenleben gerettet hat”.

Nach der erfolgreichen Notwasserung sorgt Sullenberger (Tom Hanks) dafür, daß die Passagiere auch heil das Flugzeug verlassen.

”Als Kind hat man mich gelehrt, im Leben nicht in Panik zu geraten, was einen nur ineffektiv machen würde und unfähig, anderen oder sich selbst zu helfen.” Das ist O-Ton Chesley Sullenberger, jener Flugkapitän, der im Winter 2009 ein vollbesetztes Passagierflugzeug auf dem Hudson River notlandete und damit allen 155 Insassen das Leben rettete. Die meisten im US-amerikanischen Publikum, die die Geschichte dieser spektakulären Landung jetzt auf der Kinoleinwand sehen, kennen den längst nur noch Sully genannten Flugkapitän aus unzähligen Fernsehinterviews und Zeitungsartikeln. Sie wissen auch um den Ablauf der Ereignisse, oft bis ins Detail. Regisseur Clint Eastwood und sein Drehbuchautor Todd Komarnicki mußten sich deshalb auf ein anderes Zentrum einigen, um die Anteilnahme der Zuschauer an ihrer filmischen Nacherzählung aufrechtzuerhalten.

Sie haben dies in der Figur von Chesley Sullenberger gefunden. Obwohl alle Szenen des Films von der Notlandung im Hudson handeln, steht der Flugkapitän auf eine Weise im Mittelpunkt, wie es auch großen Filmhelden sonst selten geschieht. Die Realität hat dem Film eine stark emotionale Geschichte als Vorlage geliefert, die eigenartigerweise kein bisschen darunter leidet, daß man ihren Ablauf und ihr Ende bereits kennt. Jedes Bild, jedes Wort, jeder Effekt ist nämlich unverrückbar verankert in der Figur des Mannes, der diese Heldentat mit äußerster Konzentration und kaum begreiflicher Nüchternheit wie ein Kapitel seines langen Fliegeralltags vollbracht hat, auf sich selbst und seine Erfahrung vertrauend und auf seinen festen Willen, das Leben der ihm anvertrauten Menschen zu retten.


Capt. Chesley Sullenberger, genannt ”Sully”, und seine zunächst ahnungslose Frau Lorrie: Paul Hanks, Laura Linney

In seiner Zeit als Darsteller und in den vielen Jahren hinter der Kamera hat Eastwood so manchem ”Helden” zu neuem Leben auf der Leinwand verholfen, mal auf melodramatische, mal auf abenteuerliche, oft auch auf vaterländisch-heroische Weise. Angesichts von ”Sully” erscheinen diese Filme jetzt in gewisser Weise fast als Vorstudien, um der Figur dieses Flugkapitäns Herr zu werden, der die Eigenschaften eines wirklichen Helden in seiner Gestalt, seinem Handeln und seiner moralischen Integrität tausendmal besser verkörpert als irgendeiner der vielen Western- und Kriegshelden, die sich in Eastwoods Karriere zuvor getummelt haben. Dasselbe läßt sich für Tom Hanks sagen, der zwischen ”Forrest Gump” und ”Captain Phillips” schon unzählige Male auf dem Weg zu einer Gestalt wie Chesley Sullenberger war. Sullenberger hat in einem Interview gesagt: ”Obwohl ich noch nie etwas Ähnliches getan hatte, war ich überzeugt davon, daß ich es tun könnte. Die Lösung war, eine mentale Vorstellung davon zu haben, wie der Notfall gelöst werden sollte: mich zur Ruhe zwingen, das Flugzeug zu fliegen und Prioritäten für eine Landung zu setzen.” Hanks hat sein Porträt konsequent nach diesem Vorbild modelliert.

Die entscheidende Frage für die Filmemacher war wohl, wie man aus einem Ereignis, das insgesamt nur 208 Sekunden gedauert hat, einen abendfüllenden Film macht. 208 Sekunden dauert es nämlich von dem Moment, als Flug 1549 kurz nach dem Start vom New Yorker La-Guardia- Flughafen mit einem Schwarm kanadischer Wildgänse kollidierte, bis zu der Notlandung im eiskalten Hudson River. Die Antwort ist einfach, wenn auch für einen Hollywood-Film ungewöhnlich, solange man sich nicht in erster Linie auf die drohende Katastrophe konzentriert, sondern auf den Mann, der sie vermieden hat. Wie Eastwood und sein Autor das getan haben.


Flugkapitän und Kopilot: Tom Hanks, Aaron Eckhart

Zu berichten ist da unendlich viel: Was geht in diesem Menschen vor, während der kurzen Entscheidungsphase, während der Rettungsaktion, den nervtötenden Sitzungen des National Transportation Safety Boards, während der einsamen Nächte in einem New Yorker Hotel und der Telefongespräche mit seiner zunächst ahnungslosen Frau? Professionelles und Privates, Sensationelles und nüchterne Analyse kommen da zusammen und kristallisieren sich unter Eastwoods Regie immer wieder in extremen Großaufnahmen des Gesichts eines Mannes, der in seinen Träumen einen ganz anderen, katastrophalen Ausgang des Flugmanövers erlebt, vor den Schranken des Untersuchungskomitees aber mit präziser Klarheit Rede und Antwort steht.

Eastwood war als Regisseur stets dann am besten, wenn er aufregende Situationen ganz unaufgeregt-sachbezogen erzählt hat, und wenn er seine Darsteller motivierte, alles Dramatische aus ihrem Spiel zu verbannen. In ”Sully” kommt in hohem Maße sein technisches Können hinzu, seine fast intuitive Fähigkeit, das Gefühl für Zeitabläufe durch geschickte Zeitsprünge zu ersetzen, die der bekannten Handlung neue Spannung verleihen. Das scheinbare Paradox, das schon aus anderen Eastwood-Filmen bekannt ist, daß gerade die nüchternsten, konkretesten Szenen eine erstaunliche emotionale Kraft entfalten, kommt in ”Sully” zu besonderer Wirkung. [...]

Franz Everschor: Filmdienst, Bonn

Anhörung vor dem NTSB (National Transportation Security Board): Tom Hanks als Chesley Schullenberger, Aaron Eckhart als Kopilot First Officer Jeff Skiles

Clint Eastwood’s new movie, ”Sully,” transforms the seemingly familiar tale of U.S. Airways Flight 1549 - in which Captain Chesley Sullenberger and First Officer Jeff Skiles safely landed in the Hudson River, in 2009, after losing both jets in a bird strike - into a fierce, stark, haunted, and bitterly political film, one that’s full of surprises and even shocks. In telling the story of a figure canonized in the mediascape as an unsullied and shining hero, Eastwood looks past the media representation to seek the essence of heroism, shattering the shining heroic veneer and restoring its tragic nature through the looming terror of death.

”Sully” is as much about the ethics of movie-making as is Eastwood’s ”White Hunter Black Heart”; as much about the need for apt pageantry to fuse a civic identity as is ”Invictus”; as much about media distortions as is ”Flags of Our Fathers”; as much about returning from the dead as is ”Hereafter”; as much about abusive governmental and civic authority as is ”Changeling”; as much about the fragility of heroic strength as is ”American Sniper.” This brash, vigorous, yet rueful film is among Eastwood’s most personal, farsighted, and deeply felt achievements.

Richard Brody: The New Yorker

To re-create the landing of an Airbus on the Hudson River, VFX combined portions that were shot in New York with some filmed on a lake on Universal’s backlot. Some shots involved the digital replacement of the river’s surface, the ferries, people, floating debris and even the plane itself. The opening dream sequence of a jet crashing into New York’s skyline was made with a CG version of Manhattan, along with simulations of explosions and smoke.

The Hollywood Reporter

Auszeichnungen: AFI Award (American Film Institute); NBR Award des National Board of Review; FBW-Prädikat Besonders wertvoll.